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Ein kleiner Leitfaden durch den Futtermitteldschungel
Protein / ProteineProteine sind aus Aminosäuren aufgebaute Moleküle. Ein Teil dieser Aminosäuren kann vom Hund synthetisiert werden, der andere und bei weitem größere Teil ist essentiell, muss also über die Nahrung zugeführt werden. Protein ist unerlässlich für Aufbau und Erhaltung der Körpersubstanz. Die Aminosäuren steuern zum Beispiel Stoffwechselprozesse, werden zu Enzymen umgebaut, sind Teil der Muskeln und Knochen. Der Eiweißbedarf eines Hundes mit normaler Aktivität liegt bei 2g je kg Körpergewicht und Tag. Durch die Beteiligung des Proteins an nahezu allen lebenswichtigen Prozessen im Körper wirkt sich auch ein Mangel oder eine Überversorgung vielfältig aus. Das Immunsystem wird bei einem Mangel geschwächt, der Körper nicht mehr entgiftet und Körpersubstanz nicht mehr synthetisiert. Äußerliche Anzeichen eines Proteinmangels sind Untergewicht, Trägheit und ein stumpfes Fell. Eine Überversorgung schädigt ebenfalls Stoffwechsel und Körpersubstanz, vor allem die Knochen, aber auch Leber und Niere werden über Gebühr belastet. Erste äußerliche Anzeichen sind Übergewicht und verfärbter/stinkender Urin. Tierisches Eiweiß hat eine höhere Wertigkeit als pflanzliches, da die enthaltenen Aminosäuren dem Körpereiweiß des Hundes eher entsprechen und somit verdaulicher sind.Deklaration / InhaltsstoffeBei der Deklaration auf der Verpackung sind Hersteller lediglich verpflichtet, den Gehalt an Inhaltsstoffen und die Zusammensetzung anzugeben. Um ein Futtermittel vernünftig beurteilen zu können, sind mindestens noch eine Liste der verwendeten Komponenten und die Analyse notwendig. Der Gehalt an Inhaltsstoffen gibt die Nährwerte des Futters insgesamt wieder. Die Hersteller müssen lediglich die Werte für Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche angeben. Alle weiteren Angaben sind freiwillig, so dass hinzugefügt und weggelassen werden kann, was gerade opportun erscheint. Der Gehalt an Wasser muss nur angegeben werden, wenn er mehr als 10% beträgt. Die Silbe "Roh" vor den einzelnen Nährwerten besagt, dass in der Analyse x% dieses Nährstoffs gefunden wurden, aber nicht, inwieweit dieser Nährstoff verdaulich, also verwertbar ist. Da die Verwertbarkeit jedoch für jedes Futter von entscheidender Bedeutung ist, helfen diese Werte allein noch nicht weiter, entscheidend ist die Qualität der verwendeten Komponenten. Eine niedrige Verdaulichkeit zeigt sich an großen Kotmengen, Mangelerscheinungen und verhältnismäßig hohen Fütterungsempfehlungen. Ebenfalls zu bedenken ist, dass Mindest- (Rohprotein und Rohfett) und Höchstwerte (Rohasche und Rohfaser) angegeben werden, die tatsächlichen Werte also abweichend sein können. Der Begriff "Rohfaser" steht für alle unverdaulichen pflanzlichen Bestandteile, also Ballaststoffe. Unter dem Begriff "Rohasche" werden alle enthaltenen Mineralien zusammengefasst.Komponenten / Fleisch / NebenerzeugnisseFleisch ist in der Hundeernährung die größte Bedeutung beizumessen, da es auch für den Vorfahren Wolf die Hauptnahrungsquelle war. Diese besonders hochwertige Eiweißquelle enthält die für den Hund optimale Aminosäurenzusammensetzung, die Verdaulichkeit von fettarmem Fleisch liegt bei 98% (Ausnahme: Schweinefleisch, dessen Wertigkeit sehr viel niedriger ist). Da dem Fleisch aber wichtige Nährstoffe fehlen und vor allem wegen des hohen Proteingehalts ist es als Alleinfuttermittel für Haushunde nicht geeignet. Die Hochwertigkeit der Fleischquelle lässt sich am besten aus dem Anteil der besonders hochwertigen Aminosäuren Lysin(>0,9%) und Methionin(>0,5%) ersehen, Hersteller adäquater Produkte geben sie stets an. Allerdings ist darauf zu achten, dass diese Säuren in der Analyse, nicht bei der Zusammensetzung stehen. In letzterem Fall wurden sie künstlich zugefügt und sagen nichts über die Qualität des Fleisches aus. Außerdem können diese Säuren auch in anderen Komponenten, wie z.B. Flachsöl enthalten sein, sind ergo nicht zwangsläufig ein Indikator für eine hochwertige Fleischquelle. Weiterhin ist die genaue Bezeichnung der Fleischquelle von Bedeutung: Die Silbe "fleisch" muss auf jeden Fall enthalten sein, um eine hochwertige Eiweißquelle zu gewährleisten. <TierXY>fleischmehl steht für reines, getrocknetes Fleisch, <TierXY>fleisch ist ebenfalls rein, allerdings geben die Werte das Gewicht vor dem Trocknen, also dem Entziehen der Feuchtigkeit (immerhin fast 70%) an. Im Endprodukt rutscht der Fleischanteil damit um einige Plätze nach hinten. Doch auch bei Fleischmehl sollte man auf die Quelle achten, da unter dem Begriff "meat meal" Tiermehl und Tierfleischmehl zusammengefasst werden. Außerdem kann eine Fleischquelle, die beispielsweise 50% des Futters ausmacht und als Mehl deklariert ist, bei einem Gesamtproteingehalt des Futters von 25% kaum hochwertig sein, da sie einen Proteinanteil von nur 50% hätte, eine hochwertige Fleischquelle aber mindestens 65% Protein in der Trockenmasse enthält. Wird die Eiweißquelle einfach nur mit <TierXY> bezeichnet, handelt es sich um tierische Nebenerzeugnisse, <TierXY>mehl bezeichnet dementsprechend getrocknete tierische Nebenerzeugnisse.ZusammensetzungDie Zusammensetzung gibt Inhaltsstoffe nach Gewicht absteigend sortiert an. In der geschlossenen Deklaration werden Inhaltsstoffe in Gruppen zusammengefasst, also zum Beispiel Hafer und Gerste zu Getreide. Aus dieser Deklarationsform sind die verwendeten Komponenten nicht ersichtlich, andererseits wird hier für den Verbraucher transparent, ob ein Futter mehr Fleisch- oder Getreideanteil hat. In der offenen Deklaration werden alle Inhaltsstoffe aufgelistet, so dass man zwar die Komponenten, jedoch kaum noch die Anteile bestimmen kann. Ferner werden hier die Komponenten gerne gesplittet - z.B. Mais, Maisgrieben, Maismehl - um sie in der Zusammensetzung auf die hinteren Plätze verweisen zu können. Ebenfalls zu bedenken ist, dass in der Zusammensetzung die Werte der Frischsubstanz angegeben werden, sehr feuchtigkeitshaltige Lebensmittel verlieren beim Trocknen große Anteile ihres Gewichts und sind im Endprodukt möglicherweise nur noch mit einem geringeren Anteil vertreten.AnalyseDa der Gehalt an Inhaltsstoffen lediglich Grenzwerte bestimmter Gruppen angeben muss, sollte von jedem Hersteller eine vollständige Analyse zu bekommen sein. Eine solche Analyse muss dann Durchschnittswerte aller enthaltenen Nährstoffgruppen enthalten. In einer vollständigen Analyse sind beispielsweise die konkreten Werte für Vitamine und Mineralien ablesbar, die man ansonsten nur erahnen könnte. Angaben für Lysin / Methionin lassen Aussagen über die Qualität der Fleischquelle zu, und man erfährt, wie hoch die Rohprotein- und Rohfettwerte tatsächlich sind. Die optimalen Anteile sind kaum zu verallgemeinern und abhängig von der Konstitution des Hundes (guter oder schlechter Futterverwerter, quirlig oder geruhsam, usw.), ferner frisst kein Hund Prozente, es können lediglich Richtwerte angegeben werden: Das Futter eines ausgewachsenen, normal aktiven Hundes sollte 18% Proteinanteil nicht unter- und 24% nicht überschreiten, der Fettanteil sollte zwischen 6 und 13% liegen. Sind die Proteine und Fette gut verwertbar und liegen signifikant über diesen Werten, wird der Hund zwangsläufig zunehmen und / oder eine erhöhte Aktivität an den Tag legen. Bei Hunden, die überdurchschnittliche körperliche Leistungen erbringen müssen, sind diese Werte entsprechend zu erhöhen. Der optimale Rohascheanteil liegt zwischen 3 und 7%. Der Anteil an Rohfaser sollte 2 bis 4% betragen.Futter / FuttersortenWelches Futter für den einzelnen Hund geeignet ist, kann man natürlich nie pauschal sagen, die Analysewerte müssen den Bedürfnissen angepasst sein. Während des Suchens fiel mir auf, dass ich nach einer Art Checkliste arbeite, vielleicht hilft es jemandem, wenn ich sie mal zusammenfasse: moderater Rohprotein- und Rohfettgehalt, Fleisch sollte Hauptbestandteil sein, hochwertige Nährstoffquellen, vielseitige Zusammensetzung (mehrere Fleisch-, Getreide- und Fettquellen), keine chemisch-toxische Konservierung, Anhaltspunkte wie die Verwendung von Vitamin C oder das Anbieten von Seniorenfutter lassen erkennen, ob der Hersteller sich mit der Physiologie des Hundekörpers auseinandergesetzt hat |